Das wollte ich letztens schon posten, war aber zu faul, die Screens zu machen und den kompletten Gedanken zu formulieren. Heute habe ich mich durchgerungen und präsentiere ein in meinen Augen extrem abschreckendes Beispiel für die Zeit nach “The Day Boxes Ruled the Web”. Nun sind Boxes, Rechtecke per se ja nicht schlecht und durchaus salonfähig. Kaum das Layoutraster angelegt, verwandelt sich fast jedes Dokument in eine geordnete Koexistenz von Rechtecken. Wir sehen Gestalten, Formen, Gegenformen, Weißräume. Ja, man könnte sogar sagen, wir stehen auf Rechtecke. Das Gehirn mag rechte Winkel, horizontale und vertikale Linien.
Web Design auch, ganz zu schweigen von Bildschirmen. Und deswegen passiert dann sowas.
Ein unbarmherziges Geflacker von miteinander konkurrienden Bereichen, Funktionen. Mittendrin, reingequetscht zwischen den Lesefluss unterbrechenden Anzeigen in gleicher Schrift, der Artikel. Schlimm. Interessant nur: kommt irgendwann die Gegenbewegung? 72 dpi sterben ja langsam aus. Für anständige Kurven braucht es allerdings auch eine Ecke mehr. Werden sich spätere Generationen an Layouts wie aus der Frontpage ergötzen, dem legendären Techno-Fachblatt der frühen 90er, in dem Alexander Branczyk mit seinen schiefen, ineinanderlaufenden Textspalten beim Leser auch während der Woche visuelle Erlebnisse wie Sonntag morgens um 10:00 auslöste? Zu dieser Zeit befand er sich damit in bester Gesellschaft. Eine ganze Branche, Designer, Schriftsetzer, Drucker, hat mit den neuen Freiheiten des digitalen Zeitalters experimentiert. Etwas überspitzt kann man feststellen, dass die Ästhetik einer ganzen Generation von den Möglichkeiten und Grenzen des aufkommenden (digitalen) Desktop Publishing geprägt wurde. Im Web braucht das noch ein wenig. Nix mit inanderlaufenden Spalten. Kommt aber. Mit Sicherheit. Und dann isses wieder ganz neu und aufregend. Ich poste dann nochmal Screens.
Vorhin beim Bierchen ein gutes Gespräch gehabt, in dem ich folgende Geschichte gehört habe. Pontiac hat vor Jahren Beschwerdebriefe eines Kunden erhalten, in dem dieser von Problemen mit seinem neuen Pontiac berichtete. Er schrieb, dass er häufig für seine Familie nach dem Essen Eis kaufen fährt und dann das Auto nicht anspringt. Und zwar immer dann wenn er Vanilleeis kauft. Bei anderen Sorten gibt es keine Probleme. Pontiac fand diesen Fall merkwürdig genug, um schließlich einen Techniker los zu schicken, der der Sache auf den Grund gehen sollte. Dem ist zunächst nichts aufgefallen, obwohl er sich eifrig Notizen gemacht hat. Uhrzeit, Tankstand, Benzinsorte, kein Hinweis. Die Lösung war überraschend: Vanilleeis war als beliebteste Sorte vorne im Laden, die anderen Sorten waren hinten (wahrscheinlich einer dieser mindestens 2,5 km langen US-Megastores). Das Problem war dann letztlich, dass sich der Motor in der kurzen Zeit nicht genug abkühlen konnte, so dass der Start durch ein Vapor Lock (Leo sagt Dampfblasensperre, kann mir jemand erklären, was das ist?) erfolglos blieb. Der Mann hatte also fast recht, das Versagen seines Motors trat wirklich im Zusammenhang mit Vanilleeis auf, hatte aber ursächlich natürlich nichts damit zu tun.
Ich weiss nicht, ob die Geschichte stimmt. Aber passend zu unserem Thema und vorstellbar war sie auf jeden Fall. Wir hatten es gerade von mangelnder, bzw. falscher Wahrnehmung und Komunikation zwischen Technik, Managern und Kunden. Und die Moral von der Geschicht: auf jeden Fall muss ich wieder regelmäßiger trainieren, 4 Biere sind mittlerweile ganz schön heftig.
Beim diggen über diesen höchst aufschlußreichen Artikel im Wall Street Journal gestolpert: “Tips From Web Greats On Becoming a Legend In Your Spare Time“. Erstens: wer hat euch nach Web-Legenden gefragt? Knallt mir Zahlenkolonnen an den Kopf, berichtet über IPOs oder vielleicht noch die neuesten philanthropischen Anwandlungen von irgendeiner künstlich frisch gehaltenen Gattin eines Immobilien-Tycoons, die beim letzten Charity-Event für einbeinige Waisenkinder in Zentral-Abessinien den Gegenwert in Dollar für die nach der Party weggeworfenen Hummer und das Koks, das auf den Toiletten gezogen wurde, gespendet hat. Nein, heute soll es um Menschen gehen, die “nichts anderes wollen, als den American Dream zu leben: Celebrity Status ohne erkennbares Talent” (kann bitte jemand verifizieren, dass ich diesen Satz richtig verstanden habe? Das sollte in die Wikipedia, unter “Realsatire”). Wenn man diesen erstrebenswerten Zustand noch nicht erreicht haben sollte, dann muss es an den großen “Secrets” liegen, die man nicht kennt. Wie zum Beispiel das von Mr. Numa Numa himself: “Das Video muss lustig sein oder schnell zum Punkt kommen. Die Leute klicken ständig”. Das lässt mich sprachlos, diese Weisheit und Güte, es mit uns allen teilen zu wollen. Mr. Numa Numa veröffentlicht heute zufälligerweise sein neues, lustiges und schnell auf den Punkt kommendes Video. Das mit dem Klicken hatte ich übrigens schon länger als fundamentales Problem des Web ausgemacht, diese Hüperlinks sind ein extremer Störfaktor. Vor allem in Web 1.0. Aber weiter im Text.
Auf Golem gerade von der Untersuchung eines Marktforschungsinstituts gelesen, in der man bei 60 Anwendern die Tippgeschwindigkeit und Fehlerrate bei “normalen” Telefonen, solchen mit QWERTZ-Tastatur und iPhones gemessen hat. Nicht sonderlich überraschend hat dabei der Touchscreen des iPhones am schlechtesten abgeschnitten, die Tester produzierten dabei 5,6 Fehler pro Nachricht, bei QWERTZ-Tastaturen 2,1. Neben solch aufregenden Details, wie der Fehlerrate für den Buchstaben Q auf QWERTZ-Tasturen (8%) finde ich in diesem Zusammenhang einen Eintrag im Golem-Forum ziemlich ironisch.
Die japanische Business Computer News meldet (gefunden bei Electronista), dass Mac OS X im Oktober 2007 bei einem Marktanteil von 53,9% bezogen auf den gesamten Betriebssystem-Markt lag. Der Anstieg für Apple entspricht dabei ungefähr dem, was Windows in der gleichen Zeit verloren hat. Die Zahlen sind beeidruckend, auch wenn ich den Marktanteil bei den installierten Systemen nicht kenne. Interessant ist aber auch der Hinweis, dass die Preisgestaltung und das Produktangebot “less intimidating”, also weniger furchteinflößend sind. Interessanter Querverweis auf die User Experience beim Betriebssystemkauf. Alleine das Nachdenken über eine geeignete Windows-Version hat bei mir immer zu Kopfschmerzen geführt. Soll ich die nehmen, ne, dann habe fehlt mir das, aber das will ich nicht, usw. usf. Am Ende fühlt man sich irgendwie genötigt, die größte Version kaufen zu müssen. Schaler Geschmack, nix mit freudiger Erwartung. Sprich: Microsoft und Windows haben es mal wieder geschafft, sich in einen Kontext mit unangenehmen Emotionen zu bringen. Produktdesign: 6, setzen. Rückblende: 26.10.2007, 18:20, Gravis Karlsruhe. Ruhig stehen wir in der Schlange. Wir haben unsere Auftragsbestätigungen in den Händen und warten gesittet auf eine kleine, schwarze Box in der Größe einer DVD. Erwartungsfreude in der Luft, ein wenig wie beim Schlangestehen 1983 vor dem Metzger, irgendwo im Ostblock. Wir wissen nicht genau, ob wir noch eine der begehrten Boxen erhalten werden. Aber, wir wissen, für 129,- Euro ist alles drin. Keine Fragen, passt, zufrieden. Außer, man will vielleicht doch die Server-Version.
Heute aufgefallen, wie nett das Icon für die Nightly Builds von Firefox 3 “Gran Paradiso” ist. Weiss nicht, wie es auf anderen Plattformen ausschaut, aber hier ist die Mac-Variante:
Einer der wichtigsten roten Fäden in der Web 2.0 Expo Berlin war das Experience Design. Kathy Sierra und Jesse James Garrett haben in ihren Workshops und Keynotes “Creating Passionate Users” und “Delivering Rich Experiences” viel dazu beigetragen, ebenso Sampo Karjalainen von Habbo.fi mit “Immersive Experiences: Intersections between Web 2.0 and Games” und viele andere Speaker. So lässt sich also einer der wichtigsten Web 2.0 Trends zusammenfassen: die Experience des Users wird wichtiger. Und zwar nicht nur, weil wir im Web 2.0 alle so furchtbar nett zueinander sind und uns gegenseitig tolle Sites machen. Sondern weil in Zeiten häufiger technischer und funktioneller Identität die Bedienung und damit die Experience, die (damit nur unzureichend übersetzte) Erfahrung, der Spass und die Lust an einem Produkt wichtige Unterscheidungsmerkmale sind. User Experience ist sozusagen das, was am Ende rauskommt, wenn alle vorher gute Arbeit geleistet haben: Produkt-, Conceptual-, Interaction-, Usability und Grafik-Designer.
Das liest man ja öfter: das tollste Sonnenuntergang-Foto, die beste Print-Anzeige, das aufregendste whatever. Aber diesmal stimmt’s. Hier ist der schlechteste Werbespot der Welt. Völlig psychedelisch, unästhetisch bis zum Würgreiz. Vorsicht!
Gerade in der Mailbox gelandet, die iPhone Begrüssungsmail. 10 Minuten nach dem Deutschland-Start. Um mich jetzt auch noch mal drüber auszulassen: Ich mag dich, Baby. Du bist heiss, sehr heiss. Glatte Haut, schöne Kurven. Lässt dich auch gerne mal rumdrehen, streicheln sowieso. Und deine Familie ist auch toll. Davon hast du ja einiges geerbt. Komm ich bloss nicht ran. Jetzt mal ehrlich: ich glaub, es hakt. 399,- Tacken für ein kastriertes Gerät? Plus 50,- Euro pro Monat für das kleinste Paket, ohne Wahlmöglichkeit, Zwangsbindung an T-Mobile? Kein UMTS? Und wenn ich mehr will, muss ich anfangen, rumzuhacken? Katz-und-Maus-Spielchen mit meinem Telefon, beim nächsten Software-Update wieder hacken? Ne, danke, nicht mit mir. Zumindest nicht jetzt. Plattform öffnen, SDK bereitstellen, die unfassbar faszinierende Welt von Mac OS X für’s sinnvolle Hacking öffnen. Dann zeig ich dir auch meine Briefmarkensammlung. Und du darfst über Nacht bleiben. Versprochen.
Zeit für ‘ne kurze Mitteilung zwischendurch während einer Keynote (Nokia und Tim). Der Tag und die Expo neigen sich dem Ende zu. Schnüff. Ich fand’s gigantisch, aufregend und aufgeblasen. Menschen, die coole Ideen haben und umsetzen. Und Menschen, die die Ideen anderer für sich arbeiten lassen. Turnschuhe und Lack-Slipper. Aber so isses eben. Naja, der Desktop ist vollgepackt mit Notizen. Aber: ca. 12 Stunden Schlaf seit Montag. Den Rest des Tages noch mittippen. Ab in’s Hotel, knacken und wieder an die Kiste. Morgen mehr. Versprochen