Year of the Linux desktop

Ich glaube an freie Software. Und an Linux. Ehrlich. Und ja, Linux hat gewaltige Fortschritte gemacht. Aber was ich jetzt wieder bei der Installation eines neuen Arbeitsplatzrechners erlebt habe, lässt mich nur lachen, wenn ich bei den üblichen Verdächtigen oder im Gespräch mit Kollegen höre, wie schön bedienbar und easy das alles geworden ist. Ist es nämlich nicht. Von vorne: gestern habe ich Kubuntu installiert. Kubuntu, bzw. die Ubuntu Distribution sind vielgerühmt für ihre Bedienfreundlichkeit. Stimmt in Teilen auch, vor allem unter der Haube. Aber als “normaler” Anwender verbringt man nun mal einen Großteil seiner Zeit auf dem Desktop, bzw. mit der Interaktion mit dem User Interface. Echten Geeks wiederum ist sowas ja egal, weil es in solchen Kreisen ja total schick ist, alles auf der Shell in einer möglichst spartanischen Umgebung zu erledigen und Desktops und anständige GUIs was für Weicheier sind.

Tja, weiter weg von der Realität kann man kaum sein. Der Geek in mir liebt auf jeden Fall Linux. Und der Nicht-Geek? Der findet Linux auf dem Desktop immer noch scheisse, besser zwar als vor Jahren, aber immer noch eindeutig scheisse. Ich bin dann nach der Installation, wie immer, als erstes mal in die Systemeinstellungen, Erscheinungsbild gewandert. Schön, da sind immer noch die gleichen superekligen Stile drin wie vor Jahren, Crystal, Plastik um die besseren zu nennen. Und ein Haufen unaussprechlich häßlicher, bei denen ich mich frage, wie man sowas designen kann. Oder, schlimmer: wie sowas den Weg in eine Distribution findet. Eindeutig von Desktop-Hassern entwickelt, zum Abgewöhnen. Das gleiche dann nochmal bei den Buttonstilen. Nachdem ich mir dann eine erträgliche Kombination zusammengeklickt habe ein wenig getestet. Die Schatten der Menus sind kaputt und sehen irgendwie aus wie dreimal leicht versetzt übereinander gemalt. Ungefähr so wie Sonntag mittag nach der Afterhour im Poison Club. Im Firefox fransen die Tabs leicht aus, ist das jetzt ein Firefox-Bug oder ein Problem mit den Themes? Beim Öffnen der Programme wird der Desktop nicht repainted und Teile der Icons bleiben übrig. Ok, also nochmal rumspielen. Das gibt dann ein Segfault, und das Chrome der Windows verschwindet. Sehr schön, X-Windows abschiessen, neu einloggen, weiter. Und so geht das dann weiter und hinterlässt ein ziemlich schales Gefühl.

Fazit: augenscheinlich verlangt das System von mir, dass ich mich in was einarbeite, was ich als selbstverständlich ansehe. So als ob ich zum Duschen was über die Installation von Wasserleitungen wissen müsste. Oder die Verkabelung der Hauselektrik lernen müsste, um den Fernseher bedienen zu können. Der alte Spruch “Mit Computern löst man Probleme, die man ohne sie gar nicht hätte” könnte kaum zutreffender sein, als in diesem Bereich.

Klar wird auf jeden Fall, warum Apple in wenigen Jahren seinen Markanteil verdreifacht hat und Linux immer noch bei knapp weniger als einem Prozent rumdümpelt. Und warum, abgesehen von BIldungs- und Designbereich, Mac OS X gerade bei Developern in den letzten Jahren so enorm zugelegt hat. Weil die meisten Anwender und Entwickler mit Computern etwas erledigen wollen, und sich nicht mit der Hauselektrik rumschlagen wollen. Oder anders: nur sehr wenige Handwerker wollen sich ihr eigenes Werkzeug zurechtkonfigurieren.

Solange die Entwicklung noch Techie-getrieben sein wird, wird Linux auf seinen Durchbruch auf dem Desktop warten. Während das so bleibt, geniesse ich weiterhin jeden Tag OS X und dessen Desktop. Der schick ist, keine häßlichen Ecken und Kanten hat (ok, zugegebenermaßen eine: der Dialog, der mich fragt, ob Dateien beim kopieren überschrieben werden sollen) und mir trotzdem erlaubt, in die Untiefen des Systems zu versinken, wenn es sein muss. Und ärgere mich darüber, was für ein kundenunfreundlicher und selbstherrlicher Verein Apple ist. Man kann halt nicht alles haben.

Kategorie: News 3 Kommentare »

3 Reaktionen zu “Year of the Linux desktop”

  1. hansilinux

    Der gute Mann hat völlig Recht,die Entwickler sollten einige Frauen ans Design lassen.Frauen haben da irgendwie die besseren Ideen!Allerdings besteht dann die Gefahr,das Linux Desktops zu niedlich aussehen ,das will auch keiner
    Fazit ist,Man kann es nicht jedem Recht machen.
    Lg…..Femininus

  2. Claus

    Ja, klar, ähm, ich…, kann da jetzt garnichts zu sagen.

  3. Ingo Augsten

    Stimmt, war auch vom Ubuntu Desktop enttäuscht.


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