Archiv für Mai 2010


Beeindruckend: IE9 Platform Preview

5. Mai 2010 - 23:33 Uhr

Ich habe ihn leider noch nicht selbst testen können, aber wenn das alles stimmt, was man über den IE 9 lesen kann… Heute wurde die zweite Preview veröffentlicht, siehe dazu einen Artikel im IEBlog über JavaScript Performance und im Internet Explorer Testing Center. Hut ab, Microsoft. Ehre wem Ehre gebührt. Die grauen Haare verzeihe ich euch trotzdem nicht.

[UPDATE] Dazu (un)passend dann folgender Artikel auf TheRegister über Canvas Support in IE 9.

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Fight the Power: Diaspora, das Anti-Facebook

5. Mai 2010 - 22:46 Uhr

Gestern hatte ich es noch von Facebook. Und in meinem Kommentar auf den Kommentar eines geschätzten Kollegen habe ich die meiner Meinung absolut einzige Möglichkeit umrissen, wie ein großes Social Network mit absoluter Privatsphäre zu organisieren ist: dezentral. Verteilt auf die Schultern einiger, die bereit sind Knoten eines solchen Networks zu hosten. Der Rest der Bevölkerung kann es dann für lau nutzen. Also ungefähr so wie Linux oder Firefox: wenige opfern ihre Zeit, weil sie an etwas glauben, damit ganz ganz viele was davon haben.

Weil ich sowas schon lange haben wollte, aber meinen Hintern nicht hochbekommen habe, macht’s jetzt jemand anders: Diaspora. Awe. Some! Mehr Infos auf ReadWriteWeb oder auf der Kickstarter Seite von Diaspora. Spendet! Es fehlen noch 768,– USD.

[UPDATE] Diaspora hat die 10.000 USD Marke geknackt. Mehr Infos bei Kickstarter.

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Ganz Neu – Farbfernsehen (oder: Burn, RIA, Burn)

5. Mai 2010 - 22:26 Uhr

Ich wollte es ja so: ich arbeite in der Bullshit Bingo Branche (3B). Freiwillig. Und gerne. Würde auch nichts anderes machen wollen. Aber das Bullshit Bingo. Ist. Kaum. Zu. Ertragen. Einer dieser Bullshit Begriffe ist RIA: Rich Internet Application. Hört sich ja erst mal toll an: Rich. Sollte mal sowas heißen wie: fühlt sich besser an als eine Eingabemaske auf einem MS-DOS PC auf einer Amtsstube im Jahr 1988. Oder das Internet im Jahr 1996. Oder sogar noch 2001: Formulare, Knöpfe, bisken Menugeschrubbel, viel Text, viele häßliche und langsame Reloads.

Und dann RIA: Interaction Design und eine User Experience, die einer echten Desktop Applikation näher kommen. Über die Richness von vielen Desktop Apps kann man sich ja streiten, aber sei’s drum. Mehr Desktop auf jeden Fall. Und mehr Logik auf dem Client. Kein Request-Response Roundtrip mehr, damit die Applikation Gelegenheit bekommt einem mitzuteilen, dass man das @ Zeichen in der E-Mail Adresse vergessen hat. Wenn sich irgendwas auf dem Bildschirm bewegt, das ist auch Rich. Abgerundete Ecken sind auch Rich. Web 2.0 ist rich, ziemlich häufig auf jeden Fall.

So, und jetzt mal Schluss mit dem Bullshit. Warum reg ich mich eigentlich auf? Weil ich Kraft meines Amtes in den letzten Tagen wieder häufig mit dieser Diskussion konfrontiert wurde. Ist das User Interface in diesem Konzept jetzt eine RIA oder nicht? Wollten wir nicht RIAs machen? Oder ist das dieses andere, diese, ähm, so eine alte Internet Applikation, Non Rich Internet Application? Poor Internet Application? Wo ist denn eigentlich die Grenze zwischen PIA und RIA? Wenn man das Web beobachtet stellt man eines fest: es gibt keine saubere Trennung. Das gilt zumindest für ca. 99% des Web. Das restliche Prozent, die wirklich reinrassigen RIAs, findet man in der freien Wildbahn relativ selten, in Intranets oder spezialisierten Applikationen häufiger. Stattdessen: Desktop Applikationen haben Metaphern aus der Hypertext-Welt des Web übernommen. Oder kann sich jemand an blau unterstrichenen und anklickbaren Text in Desktop Applikationen von vor 10 Jahren erinnern? Ich nicht. Und wo ich gerade in der Vergangenheit stöbere: wer kann sich denn an den Begriff DHTML erinnern? Den hat Netscape auf der Höhe des ersten Browser Kriegs Ende der 90er geprägt. Stand mal für: per JavaScript im geladenen Dokument rumfummeln und mit CSS spielen. Hat sich irgendwie überholt. So wie Farbfernseher. “Du, ich hab mir einen 54er LCD gekauft”. “Wirklich? Wow!”. “Ja, sogar ein COLORGERÄT”. “NEEEIN, sag bloss!”. – “Du, ich habe da eine Website gefunden, die hat Slider drauf. Und so Dinger drauf, wie so Schubladen, und wenn man da drauf klickt, dann gehen die auf und zu!”. “Krass, kannst du den Link twittern?”.

Also, wenn ich nochmal ein Konzept, Mail oder Präsentation bekomme, in denen das Wort RIA auftaucht, dann rufe ich an und erzähle von meinem Farbfernseher. Oder meinem schnurlosen Telefon. Im Ernst.

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2700 Frames/sec

5. Mai 2010 - 00:14 Uhr

Ich ziehe meinen Hut, Google. Was für eine göttliche Idee.

Ach ja, eine technische Background Story gibt’s übrigens auch noch: die bisher schnellste Chrome Beta, massive Erhöhung der JavaScript Performance, you get the idea. Ebenfalls großartig. Great job, guys! Und Firefox: hau rein!

[UPDATE] Nach dem Making-Of hier das fertige Video. Göttlich.

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Ein Wort zur Facebook Diskussion

4. Mai 2010 - 23:23 Uhr

Wer mich außerhalb dieses Blogs kennt, genauer gesagt, wer mich näher kennt als meist zufällig in dieses Blog stolpernde Leser, weiß das ich Facebook-süchtig bin. Oder, auch hier genauer gesagt, war. Denn Facebook ist langweiliger geworden. Es interessiert mich einfach nicht, wer gerade in welche dumme Gruppe in Stil von “Ich finde Brünette sexier als wie Blonde”, “Ich bin eine Prinzessin” oder “Jaqqeline, komm wech von die Regale, du Arsch!” eingetreten ist. Was mich interessiert ist was meine Friends gerade machen, welche Bilder sie geschossen haben, welchen Film sie gesehen haben, wo sie hingehen, wo sie waren, was wir zusammen unternehmen können. Was mich interessiert: wie bleibe ich mit den Menschen in Verbindung, über die ich mich in real life freue, wenn ich sie sehe.

Und jetzt diese immer hitziger werdende Diskussion über Privatsphäre. Ziemlich zweischneidiges Schwert, dieses Thema. Man kann sich fragen, wie viel Recht auf Privatsphäre jemand für sich beansprucht oder beanspruchen kann, der in einem Postkarten-Medium – denn nichts anderes ist das Internet ohne weitere Schutzvorkehrungen – private Dinge quer durchs Netz auf irgendwelche über den Globus verteilten Server postet. Die Diskussion ist sogar so heiß, dass sich unsere Verbraucherschutzministerin einschaltet. Liebe Ilse, kümmer dich doch bitte um Dinge, die wichtiger sind. Um Nahrungsmittel zum Beispiel. Denn bei denen kann man sich im Gegensatz zu Facebook nicht aussuchen, ob man in den Club eintreten möchte. Anders gesagt: die Mitgliedschaft in einer Social Community ist kein Menschenrecht.

Und Mitgliedschaft bringt mich dann auch zur Motivation dieses Posts. Es ist schon befremdlich, dass sich zehntausende Mitglieder in Gruppen mit Aussagen wie “Wenn Facebook was kostet bin ich raus” tummeln. Ist ja auch kein Wunder, denn einer der entscheidenden Erfolgsfaktoren des Internet ist die “Kostenlos-Kultur”. Die geniessen wir natürlich alle. Würde jemand ernsthaft bestreiten, dass die Explosion in der Zahl von DSL-Anschlüssen um die letzte Jahrtausendwende durch Filesharing zumindest wesentlich angetrieben wurde? Wie sagt der Volksmund? Umsonst ist nur der Tot, und der kostet das Leben. Und Facebook kostet die Privatsphäre, wenn man es sich sonst nichts kosten lassen will. Ganz ganz einfach. Wie teuer mag es eigentlich sein, eine hoch entwickelte Plattform zu entwickeln und zu betreiben, die mittlerweile fast 400 Millionen Menschen benutzen? Die 1 Milliarde Posts pro Tag verdaut? Ich hab keine Ahnung, wie viel es tatsächlich ist, aber es wird nicht unter sehr hoch fünfstellig pro Tag kosten. Vielleicht sogar sechsstellig?

Wer soll das finanzieren? Das Gros der Mitglieder auf jeden Fall nicht. Denn was mit denen passiert, wenn Facebook auf die Idee käme, sich plötzlich über Abogebühren zu finanzieren ist klar. Sie wären weg, ganz einfach. Und das nervt im Sinne einer auch nur halbwegs ausgewogenen Diskussion. Denn es gibt keine Art von Recht, weder ein moralisches und ganz besonders kein finanzielles, welches besagt, dass Hunderte von Millionen Menschen freiwillig eine Plattform verwenden und gleichzeitig verlangen dürfen, dass sie dafür nicht einen Teil ihrer Freiheit aufgeben. Oder mit ihrer Freiheit, sprich: ihrer Privatsphäre bezahlen müssen. Denn diese ist Geld wert – das war Freiheit in einer Welt begrenzter Ressourcen übrigens immer schon. Und damit möchten sich Mr. Zuckerberg und seine Business Angels und Anteilseigner teure Autos und Villen kaufen. Man könnte auch sagen: sie möchten sich ihre Definition von Freiheit bezahlen lassen. Denn Freiheit ist Geld wert.

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