Linux Desktops? Still suck!

27. April 2010 - 09:02 Uhr

Bryan Lunduke hat auf dem LinuxFest Northwest einen Vortrag mit dem Titel “Why Linux still sucks” gehalten. Interessante Fakten. Wirklich beeindruckend, was sich in der letzten Zeit getan hat. Aber: der Vortrag zeigt auch, wie weit Linux noch davon entfernt ist, eine wirklich großartige Alternative zu anderen Desktop Systemen zu sein. Treiber-Probleme bei X.org? Audio Probleme? Geschenkt. Wenn das aber die Probleme sin mit denen sich Linux (noch) rumschlagen muss – wie weit ist es dann davon entfernt, sich konzeptionell mit dem Design von Desktops und seinen Applikationen zu befassen? Sehr weit.

Ich kenne kaum eine Open Source Anwendung, die in Sachen Usability und Design in der ersten Liga spielt. Firefox ist da wohl eine Ausnahme – worüber sich streiten lässt – , aber auch dort hat es Jahre gedauert, bis irgendetwas anständiges rausgekommen ist (erinnert sich noch jemand an die alten Mozilla Milestones?). Aus irgendwelchen Gründen sind Usability Experten, gute Graphik Designer und Interaction Designer kaum an OSS interessiert. Der wichtigste Grund liegt für mich aber auf der Hand: Software Developer und Designer können nicht so richtig miteinander.

Developer selbst sind in den seltensten Fällen auch gleichzeitig gute Designer. Das ist kein Wunder, sondern logisch: Software Design verlangt nach Lösungen, die eine Maschine verstehen kann. Interface Design verlangt nach Lösungen, die ein Mensch verstehen, von denen er sich ein mentales Modell bilden kann. Ich kenne wenige Menschen, die elegant und in gleicher Qualität zwischen diesen beiden Domänen und den jeweiligen Problemlösungsstrategien wechseln können.

Außerdem: die Entwicklungsmodelle von Open Source Software und Designs sind zutiefst inkompatibel. Und das bringt mich zu einem Post, den ich schon seit langer Zeit schreiben will. Stay tuned.

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Pie Menus und Baby Enten

9. November 2008 - 15:53 Uhr

Bei manchen Innovationen fragt man sich, warum in Gottes Namen (TM) sich das nicht durchsetzt. Pie Menus zum Beispiel, also kreisförmig angeordneten Menuitems statt einer vertikalen Anordnung. Das Not The User’s Fault Blog hat dazu einen sehr interessanten Artikel mit einigen Beispielen und einer ausführlichen Diskussion zum Thema. Die mangelnde Verbreitung lässt sich – neben den im Artikel beschriebenen Problemen – wohl vor allem mit dem Baby Duck Syndrome erklären. Das Baby Duck Syndrome beschreibt ursprünglich das Verhalten von Enten, die nach ihrer Geburt das erste Lebewesen das sie sehen für ihre Mutter halten. Im Bereich der IT beschreibt es das Verhalten von Usern, die ein zuerst gelerntes System oder eine Art, etwas zu tun, so sehr verinnerlichen, dass es in der Zukunft als Maßstab verwendet wird und es schwer ist, sich an etwas anderes zu gewöhnen. Witzigerweise bezeichnet Duck Typing ziemlich genau das Gegenteil.

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Yahoos Design Innovation Team gefeuert

17. Februar 2008 - 17:42 Uhr

Als Suchmaschine ist mir Yahoo seit Ende der 90er eigentlich ziemlich egal gewesen (lies: maximal 5 Mal in den letzten 10 Jahren verwendet). Aber als innovativen und kreativen Ort für Web Development habe ich es in den letzten Jahren mehr geschätzt, als je zuvor. Deswegen war meine erste Sorge nach dem Angebot von Microsoft, was wohl damit geschehen würde. Und die Sorgen waren berechtigt. Laut diesem, mittlerweile auch bestätigten Gerücht, ist das gesamte Design Innovation Team auf die Strasse gesetzt worden. Das Blog ist schon offline, es sind aber noch Teile vorhanden, die man sich teilweise unbedingt downloaden sollte, siehe dazu auch diesen Post im information aesthetics Blog. Ganz groß ist zum Beispiel “Query Bursts“.

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Branding Totalitarian States

17. Februar 2008 - 00:45 Uhr

Heute bei meinem Lieblings-Zeitschriftenhändler schlag ich die neue Page (03/08, S. 7) auf und mich trifft der Schlag nackend ins Jesicht. Die Typo Berlin 2008 wirbt mit einem Vortrag von Steve Heller, “Branding Totalitarian States”. Dabei geht es um das Branding und die Imagebildung von totalitären Staaten des 20. Jahrhunderts am Beispiel von Deutschland zur Zeit des 3. Reiches, des faschistischen Italien, Stalins UdSSR und Maos China. Heller hat den Vortrag in den letzten Wochen bereits einige Male in den USA gehalten und ist dort offensichtlich so gut eingeschlagen, dass er die Typo Berlin eröffnen darf.

Das Thema fasziniert mich schon seit Jahren und hat mit einer Leidenschaft für diese völlig kranken Propaganda-Poster aus der Zeit von WK I und II angefangen. Zumindest darüber gibt es Bücher, die man vorzugsweise im Ausland findet. Darüber hinaus gab es meiner Kenntnis nach bisher nichts. Liegt wahrscheinlich daran, dass es das schwarze Schaf in der Design-Familie ist. Aber seien wir mal ehrlich: wo ist Graphikdesign denn blendender, reduzierter und verlogener als in diesem Thema, wo es um die ultimative Ware geht – den Menschen. Paranoia und Lügen in die Seelen eines ganzen Landes pflanzen, ganze (“Gegner”-)Völker verunglimpfen, da kann man sich doch richtig austoben. Kein Charmin-Bär oder pummelige Frauen mit fettfreier Salami.

Gottseidank erscheinen Hellers Forschungen bald als Buch, dann kann ich mir die teure Konferenz verkneifen. Obwohl ich schon lange mal auf die Typo wollte und 545,- in der Frühbucherrabatt-Version gar nicht sooo teuer sind. Das aber auch nur im Verhältnis zu diesen Techie-/Nerd-Konferenzen.

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