Ein paar Anekdoten zum Release von Firefox 3

20. Juni 2008 - 11:40 Uhr

Junge, Junge, was für ein Rummel um das Release von Firefox 3. Vor drei Tagen waren auf Reddit gefühlte 20% aller Topstories diesem Thema gewidmet. Viele davon ziemlich hämisch, weil Mozilla.org in den ersten zwei Stunden die Server zusammengebrochen sind. Wer sich berufen fühlt mitzulästern, sollte sich die Zahlen auf der Zunge zergehen lassen, die heise online in einem Artikel zusammengetragen hat: in der Spitze 20 GBit pro Sekunde, 14.000 Downloads pro Minute. Während ich diesen Post schreibe, liegt der Wert per ca. 1400 Downloads pro Minute, wie man auf der Downloadcounter-Seite sehr schön mitverfolgen kann. Der globale Marktanteil ist bereits atemberaubend. Er ist laut Marketshare innerhalb von 3 Tagen von knapp 1% auf ca. 4-5% geschossen. Der angepeilte Weltrekord ist damit jedenfalls erreicht: 8 Millionen Downloads an einem Tag, mittlerweile sind es 13,5 Millionen. Wer mag, darf sich ein Zertifikat ausdrucken.

Die erste Sicherheitslücke wurde 5 Stunden nach dem Release gemeldet. Dabei handelt es sich aber nicht um einen Firefox 3-spezifischen Bug, sondern um eine geerbte Lücke von Firefox 2. Ziemlich clever von Tippingpoint, genau auf dieses Datum und das zu erwartenden Medieninteresse zu warten.

Der Gratulationskuchen vom IE-Team zum LauchDie Konkurrenz hat, wie schon letzten Major-Release, wieder einen Kuchen vorbeigeschickt, diesmal in Farbe. Auf der rechten Bildhälfte sieht man übrigens das Reststück vom letzten Mal, es ist also älter als 1,5 Jahre. Ich hoffe, das stand im Kühlschrank :)

Was man bei der Aufregung um die Anzahl der Downloads nicht vergessen darf: viele User laden Firefox mehrfach herunter. Auf mein Konto gehen schon 3 für alle Kisten. Und vor allem wird nicht jeder Downloader auch zum User. Im August 2007 lag das Verhältnis bei 4 zu 1, mittlerweile soll der Wert geschätzt bei ca. 50% liegen.

Wie dem auch sei. Die Erfolgsstory geht weiter und es gibt endlich, endlich wieder richtig Bewegung im Browsermarkt. Safari, Opera und Mozilla haben enorm Bewegung ins Spiel gebracht, so dass auch Microsoft gezwungen wird, dem Thema endlich mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Der IE 8 sieht zumindest von den Features her sehr interessant aus, in Sachen Standards natürlich immer noch mager. Und auf die coolen Features wie Activities muss man dank Extensions nicht verzichten.

Firefox 3.1 wird bereits fleißig entwickelt und ist gegen Ende des Jahres zu erwarten. Die erste Alpha soll im Juli kommen, wer mutig ist findet die latest-trunk Version auf dem Mozilla FTP-Server. Sehr erfreulich: im CSS 3 Selektorentest erhält er 578 von 578 Punkten. Und IE 8 stinkt immer noch ab. Außerdem ist die text-shadow Property hinzugekommen. Die unverbesserlichen Dropshadow-Freunde wird es freuen :) Firefox 4, das erstmalig auf der Mozilla 2 Plattform (ehemals Gecko 2.0) aufsetzen wird, ist ebenfalls in Arbeit.

UPDATE: Ganz vergessen hatte ich die litauischen Downloads: über 320.000. Bei ca. 3 Millionen Einwohnern :) Obwohl ich mich erinnere, dass Firefox in Litauen der führende Browser ist, scheint die Zahl doch ein ganz kleines bißchen zu hoch zu sein. Da hat wohl jemand einen kleinen cronjob angeschmissen. Eine nette Statistik zu Downloads pro Kopf hat Mike Cochrane zusammengetragen. Ein nette Diskussion findet man hier. Und dazu noch folgenden grandios dummen Satz:

Outside of Africa the lowest count came Afghanistan (one in 182K) and Iraq (one in 88K) compared to Iran with one download per 269 people. It looks like getting invaded is bad for your internet community.

Ja, in der Tat. Eine Invasion ist wirklich total blöd für die Internet Community. Genau wie die zusammengebrochene Infrastruktur, echt superdoof für die Internet Community. Wenn das irgendwie ironisch gemeint sein sollte, ich hab’s nicht verstanden. Aber ich bin sicher, die Internet Community versteht das.

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Happy Birthday, Mozilla!

31. März 2008 - 17:14 Uhr

Heute vor genau 10 Jahren, also am 31.3.1998, wurde das Mozilla Projekt mit der Freigabe des alten Netscape Communicator Sourcecode gestartet. Der erste Browserkrieg war verloren und die letzte Option zur Rettung des Browsers mit dem die Web-Revolution für die Massen startete, sah man in diesem Schritt. Netscape ist mittlerweile Geschichte, aber ohne das Mozilla-Projekt sähe das Web heute anders aus. Microsoft-/IE-dominiert mit hoher Wahrscheinlichkeit und damit ein ganzes Stück weiter entfernt von der Idee eines freien Web, als wir es heute ohnehin noch sind. Fest steht auf jeden Fall, dass viele, viele gute Technologien und Ideen in und um das Mozilla Projekt entstanden sind. Brendan Eich, Vater von JavaScript, treibt die Entwicklung der Sprache mit aufregenden Features weiter voran. Dave Hyatt, Netscape- und Mozilla-Veteran, treibt WebKit/Safari voran. Wo wurde Bugzilla entwickelt? Die Idee des offenen “Web as a Platform” wurde von Mozilla immer gepflegt und vorangetrieben, tausende von Extensions, deren Entwicklung auch “einfachen” Webdevelopern offen steht, beweisen das. Welcher andere Browser setzt so sehr auf Webtechnologien, dass er sogar zu einem nicht unbeträchtlichen Teil darin geschrieben wurde? Ich persönlich halte Mozilla immer noch für eines der aufregendsten, spannendsten und wegweisendsten Projekte des Web und der freien Software-Entwicklung. Ich bin ein wenig stolz, dass ich ein klitzeklitzekleines bißchen zu dieser Entwicklung beitragen durfte, 2000 den ersten ausführlichen Artikel über die Mozilla-Technologie im deutschsprachigen Raum im Java Magazin veröffentlicht, lange Zeit das deutsche MozillaZine betreut und übersetzt habe und bei der Organisation der ersten europäischen Mozilla-Konferenz helfen durfte. Und nicht zuletzt dabei viele, großartige, enthusiastische Menschen kennen gelernt und damit erlebt habe, was Open Source wirklich bedeutet. Das alles wäre nicht möglich gewesen, ohne Hunderte von Entwicklern und Geeks, die mehr von Programmierung und Design verstehen, als ich in 100 Jahren. Vielen, vielen Dank. Das Web wäre ohne euch schlechter. (*tränen der rührung unterdrück*)

Mozilla.org

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TextMate ade, Hallo Komodo Edit

8. März 2008 - 20:02 Uhr

Das hat mich wirklich endlos genervt: die Suche nach einem gutem Editor für Mac OS X. “Mac-Fanboys” (*schauder*) halten ja oft TextMate für den großartigsten Editor aller Zeiten. Zugegebenermaßen ein nettes Teil, aber zu einer solchen Aussage kann man sich eigentlich nur hinreißen lassen, wenn man den Default-Editor unter OS X, Textedit, als Benchmark heranzieht. Mit dem Konzept der Bundles kann man das Ding massiv aufmotzen und das halbe System damit steuern. Die Autocompletion ist auch nett. Allerdings sind die wesentlichen Funktionen eines Texteditors bei TextMate teilweise so armseligst implementiert, dass ich ihn hassen gelernt habe. Wie kommt man zur Hölle auf die Idee, dass ein markierter Text nicht automatisch im Find Dialog eingetragen wird und man als Anwender nochmal Command+V drücken muss? Oder man zum Ein/Ausrücken mehrerer Zeilen irgendeine dämliche Tastenkombination verwenden muss (die in deutscher Tastaturbelegung natürlich nicht funktioniert)? Und die Autoindentation – bah! Diffen? Is nich. Alles in allem extrem Un-Mac-ig und mager. Bis auf das extrem schöne Rendering, das meinen Lieblings-Windows Editor jEdit leider völlig ausschliesst. BBEdit ist irgendwie auch vor ein paar Jahren stecken geblieben. Dann gibt’s noch Aptana oder direkt Eclipse. Auch schön. Aber nicht als Editor.

Und jetzt die Erlösung: Komodo Edit ist vor ein paar Tagen zu Open Source geworden! Komodo und ActiveState waren mir immer schon extremst sympathisch. Zum einen, weil Komodo meines Wissens die erste Applikation war, die auf Mozilla als Plattform gesetzt hat, und das schon im Jahr 2000 als alle Welt noch dachte, Mozilla wäre “nur” ein Browser. Komodo Edit AutocompletionZweitens kann man mit den Jungs von ActiveState prima Bier trinken gehen. Und drittens: das Teil läuft einfach. Und wie! Sieht schön aus, rendert schnuckelig, hat einen riesigen Haufen Templates (vor allem für Mozilla Development :) ), unterstützt alle möglichen Sprachen und hat die großartigste Autocompletion, die ich kenne. xmlns: tippen und schon poppt eine Liste auf, aus der man die gängigsten Namespaces auswählen kann. Schönes Folding, schöne Anzeige des Indentationlevel, Blöcke kommentieren, Macros, diffen, eigene Extensions, in Ordnern suchen. Danke, ActiveState!

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